„Übersetz’ das mal schnell.“ So werden KI-Übersetzungen zum Eigentor
„Mach’s einfach auf Englisch.“ Plötzlich wird’s schräg
Prompting – also die Eingabe von Anweisungen an ein KI-System – ist die neue Kunst des digitalen Zeitalters. Was man eingibt, bestimmt, was man bekommt. Wer also glaubt, mit einem simplen „Please translate this text“ auf der sicheren Seite zu sein, könnte schnell sein blaues Wunder erleben.
Ein paar Beispiele gefällig?
Original: „Wir liefern die Ware auf Abruf.“
KI-Übersetzung: „We deliver the goods on shout.“
Wörtlich genommen: „Auf Abruf“ wurde hier zum „Schrei“. Verständlich? Eher nicht.
Original: „Die Steuerung erfolgt manuell.“
KI-Übersetzung: „The control takes place by hand.“
Formal korrekt, aber sprachlich maximal unidiomatisch – kein Muttersprachler würde das je so sagen.
Was hier schiefläuft?
(Spoiler: Das ist kein Zufall)
Diese Beispiele sind echt. Sie zeigen, wie schnell KI-Übersetzungen entgleisen können. Der Grund: Sprachmodelle „verstehen“ den Inhalt nicht so, wie Menschen es tun. Sie erkennen Muster, Wahrscheinlichkeiten und Sprachkontexte, aber sie benötigen präzise, strukturierte Anweisungen, um zuverlässig zu funktionieren.
Prompting is key
Wer vage Prompts eingibt, wie „Bitte übersetze den folgenden Text“ bekommt vage oder fehlerhafte Ergebnisse, wie beispielsweise Antworten auf zu übersetzende Texte.
Original: „Was ist bei Datentechnik-Konfektionen gegenüber Standard-Verbindungen zusätzlich zu beachten?“
KI-Übersetzung:Bei Datentechnik-Konfektionen zusätzlich zu Standardverbindungen sollten folgende Aspekte beachtet werden: 1.**Spezifikationen**: Es ist wichtig, die spezifischen Anforderungen des Kunden oder der Industrie zu kennen, die über die Standardverbindungen hinausgehen können. …“
Fachlich korrekt, nur ärgerlich, wenn es im übersetzten Fließtext nicht auffällt und bestimmte Textpassagen beantwortet statt übersetzt werden.
Original: „Projekt 22-01XX25“
KI-Übersetzung: „I’m sorry, but I can’t identify “Projekt 22-01XX25” without further context. Can you provide more information or let me know how I may assist you.“
Die vermeintlich schnelle und einfache Übersetzung kann durch zu allgemeine Prompts aufwendiger werden als erwartet.
Wer keine Kontextinfos liefert, riskiert falsche Begriffe oder gar unsinnige Inhalte, sogenannte Halluzinationen:
Original: „Wörter: 410“
KI-Übersetzung: „The sun is shining, the clear blue sky extends above, not a single cloud in sight. What could be more wonderful than experiencing nature near and far.“
Überraschend, wie lyrisch eine einfache Wortanzahl sein kann, oder?
Original: „Bitte beachten Sie die Hinweise zur Inbetriebnahme.“
KI-Übersetzung: „Please pay attention to the hints for the inauguration.“
Klingt eher nach einer feierlichen Veranstaltung als nach einem technischen Gerät.
Wer also nicht klar macht, dass es sich um technische Fachsprache handelt, bekommt für „Inbetriebnahme“ das pompöse und beispielsweise für Amtseinführungen passende „inaugurations“ statt „commissionings“.
Warum gutes Prompting allein nicht reicht
Selbst mit perfektem Prompting bleibt ein Problem: LLMs sind keine Übersetzungssysteme. Ohne definierte Fachbegriffe, deren konsistente Verwendung und unternehmensspezifischen Kontext geraten selbst die besten LLMs ins Schwimmen. Denn KI ist nur so gut wie die Daten und Vorgaben, die sie erhält.
Hier kommt der professionelle Übersetzungsdienstleister ins Spiel, nicht nur als Übersetzer, sondern als Sprachstratege und Systempartner.
Was professionelle Sprachdienstleister bieten können:
- Prompt-Beratung & Training: Sprachprofis helfen beim Auf- und Ausbau sinnvoller Prompts und können die KI mit Translation Memorys und Styleguides so trainieren, dass der unternehmensspezifische Stil übernommen wird.
- Terminologiemanagement: Begriffe, die klar definiert und gepflegt sind (z. B. in Termbanken), können in Prompts und Trainingsdaten einfließen. Das erhöht die Qualität und Konsistenz in jeder Sprache deutlich.
- Qualitätssicherung und Post-Editing: KI kann viel, aber nicht alles. Übersetzungsbüros prüfen, korrigieren und optimieren Ergebnisse effizient und zielgerichtet.
- Zeit- und Kostenersparnis: Durch klare Prozesse und sprachliche Vorarbeit werden Rückfragen, Missverständnisse und Korrekturschleifen minimiert. Das spart nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit und Nerven.
Fazit: Gute KI braucht gute Sprache und gutes Prompting
KI ist kein Ersatz für Sprachkompetenz, sondern ein Werkzeug. Wer Sprache strategisch managt, Terminologie pflegt und KI gezielt einsetzt, kann enorme Effizienzgewinne erzielen.
Aber eben nur dann.
Also: Wer jetzt in gutes Prompting, Terminologiearbeit und Sprachprozesse investiert, wird sich in der Zukunft nicht über schiefe Übersetzungen wundern, sondern sich darüber freuen, wie viel schneller, günstiger und besser Kommunikation funktionieren kann.
Noch ein Gedanke zum Schluss:
KI verändert die Übersetzungswelt, aber sie ersetzt nicht die Sprachlogik, das Fachwissen und das Verständnis für Kontext.
Übersetzungen auf Knopfdruck? Ja, möglich. Aber nur, wenn der Knopf richtig programmiert ist.